Nie wieder. Also wirklich: nie wieder.
Es fing nämlich alles perfekt an. Ich war beim Golfturnier, bestens gelaunt, ausgeschlafen und plötzlich lief es. Aber so richtig. Die ersten 9 Löcher, ein Gedicht.
Ein schöner Schlag nach dem anderen. Präzise, ruhig, fast schon elegant, ich habe mich selbst kurz bewundert. Die gefürchteten kurzen Schläge, kaum vorhanden. Und wenn doch, habe ich sie einfach mental gelöscht. Der Bunke, den habe ich nur aus sicherer Entfernung gesehen.
Kurz gesagt: Es hätte nicht besser laufen können. Wirklich nicht.
Und genau in diesem Moment, als ich innerlich schon dabei war, meine Dankesrede für den Turniersieg vorzubereiten (man soll ja vorbereitet sein), kam er…der Anruf.
Natürlich habe ich ihn nicht gehört. Mein Handy war, wie es sich gehört, auf lautlos.
Aber dann dieser Blick aufs Display: verpasster Anruf. Und eine Nachricht.
„Bitte dringend zurückrufen.“
Ja klar. Dringend.
Dieses Wort hat ja die faszinierende Eigenschaft, alles sofort wichtiger erscheinen zu lassen. Man denkt direkt: Oh je, irgendwas Großes. Katastrophe. Notfall. Weltuntergang vielleicht. Mindestens aber etwas, das meinen sofortigen Einsatz erfordert.
Also mache ich das, was man in solchen Momenten leider viel zu oft macht: Ich rufe zurück.
Und zack – Gespräch läuft.
Und mit jedem Satz wird klarer: Das ist kein Notfall. Das ist keine Katastrophe. Das ist… eine maximal unnötige, maximal schlecht getimte und maximal nervige Anfrage. So unnötig. Ich merke, wie mein Puls steigt. Wie sich diese feine Mischung aus Ungläubigkeit und innerem Kopfschütteln breitmacht. Und wie sich meine zuvor makellose Konzentration langsam verabschiedet – wahrscheinlich Richtung Clubhaus, um sich dort ein kühles Getränk zu holen.
Dann durfte ich noch 9 Löcher spielen.
Was soll ich sagen: Es wurde schwierig.
Nein, falsch. Es wurde ein Drama. Ein sportpsychologisches Lehrstück. Ein Crashkurs in „Wie ruiniere ich meine eigene Runde in Rekordzeit“.
Schläge, die vorher wie aus dem Lehrbuch kamen, gingen plötzlich auf Entdeckungstour. Der Ball hatte offensichtlich eigene Pläne. Fairway? Langweilig. Lieber mal links ins Nirgendwo. Oder rechts. Oder irgendwohin, wo ich definitiv nicht hin wollte.
Und die kurzen Schläge, die ich vorher so elegant vermieden hatte? Die waren plötzlich wieder da. Und sie hatten Verstärkung mitgebracht.
Erst auf den letzten Löchern wurde ich wieder etwas ruhiger. Der Puls ging runter, die Gedanken sortierten sich langsam wieder, und ich erinnerte mich vage daran, wie Golf eigentlich funktioniert.
Natürlich genau dann, als das Turnier vorbei war. Timing kann ich. Am Ende standen sieben gestrichene Löcher. Sieben.
Die wahre Gefahr auf dem Golfplatz ist nicht der Bunker.
Nicht das Rough. Nicht mal der eigene Schwung.
Es ist das Handy.
Und deshalb meine Lektion des Tages – fein säuberlich notiert und innerlich eingerahmt:
Nie wieder ans Telefon gehen. Und schon gar nicht zurückrufen.





